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Die Ebene, die darüber entscheidet, wie autonom ein Fahrzeug sein darf

Ein Kettenfahrzeug fährt auch mit Fernbedienung. Was daraus ein System macht, ist die Software — und wie sie geschnitten ist, entscheidet nicht nur über Funktionen, sondern über den Zulassungsweg.

Vorab

Wo diese Kategorie heute steht

Die Software wird zusammen mit der Steuerungsarchitektur 2026 neu aufgesetzt. Diese Seite beschreibt die Architektur und die Schnittstellen — also das, was zwischen Fahrzeug, Bedienplatz und Ihren Systemen liegt.

Welche Funktionen zu welchem Zeitpunkt verfügbar sind, sagen wir Ihnen projektbezogen. Auf eine Featureliste, die sich beim ersten Gespräch relativiert, verzichten wir.

Architektur

Drei Ebenen, bewusst getrennt

Das Steuerungskonzept ist in Stufen aufgebaut. Die Trennung ist kein Ordnungsprinzip, sondern die Voraussetzung dafür, dass eine lernende Funktion oben nicht die Zulassung des ganzen Fahrzeugs bestimmt.

Fahrzeugebene

Fahrzeugsteuerung und Antriebsregelung — Fahren, Lenken, Not-Halt, Zustandsüberwachung. Deterministisch, ohne lernende Anteile. Hier laufen die Funktionen, auf die Sicherheit tatsächlich angewiesen ist.

Basis: KyROS (Python, CANopen)

Missionsebene

Routen anlegen und abfahren, Wegpunkte, Aufgaben, Wiederholläufe, Anbindung des Payloads. Das ist die Ebene, auf der eine Patrouille oder eine Inspektionsrunde entsteht.

Verwandt: Geländepatrouille

Wahrnehmungs- und Rechenebene

Umgebungswahrnehmung, Kartierung, Auswertung von Sensordaten, Anomalie-Erkennung. Hier ist Platz für eigene Verfahren — auch für Ihre, wenn Sie in der Forschung arbeiten.

Sitzt über der Fahrzeugebene, ersetzt sie nicht

Leitstand und Flotte

Live-Bild, Sensorwerte und Missionsplanung an einem Arbeitsplatz — für ein Fahrzeug oder mehrere. Dazu die Auswertung dessen, was von den Runden zurückkommt.

Hardware: Leitstand · Datenlink
Der Grund

Warum eine lernende Funktion nicht nach unten darf

Die Maschinenverordnung (EU) 2023/1230, anwendbar ab dem 20. Januar 2027, führt in Anhang I eine Liste von Hochrisiko-Maschinen. Unter Teil A fallen ausdrücklich Sicherheitsbauteile und Maschinen mit ganz oder teilweise selbstentwickelndem Verhalten auf Basis von Machine-Learning-Ansätzen, die Sicherheitsfunktionen erfüllen.

Für Teil A gilt immer eines der anspruchsvolleren Konformitätsbewertungsverfahren, und eine benannte Stelle muss eingebunden werden — eine Selbsterklärung reicht nicht. Neu ist auch, dass Software und digitale Komponenten als eigenständige Sicherheitsbauteile gelten können.

Daraus folgt die Architektur: Sicherheitsrelevante Funktionen bleiben deterministisch auf der Fahrzeugebene. Lernende Verfahren arbeiten darüber, auf einer Ebene, die das Fahrzeug nicht unsicher machen kann. Ob eine geplante Funktion diese Grenze überschreitet, gehört an den Anfang eines Projekts — das ordnet Engineering & Zulassung ein.

Anschluss

Wohin sich das öffnen muss

Eine Insellösung wäre für Sie das schlechteste Ergebnis: ein Fahrzeug, das nur mit der Software eines Herstellers spricht. Zwei Ökosysteme sind dafür maßgeblich, und wir richten uns an beiden aus.

  • ROS 2 und Nav2. Nav2 ist das Navigations-Framework des ROS-2-Ökosystems — austauschbare globale und lokale Planer, Costmaps, Recovery-Verhalten und eine Ablaufsteuerung über Behavior Trees; nach eigener Darstellung von über 100 Unternehmen eingesetzt. Wer im akademischen Umfeld arbeitet, erwartet diesen Anschluss. Was davon bei uns heute vorliegt, sagen wir Ihnen konkret, statt es hier zu behaupten — siehe auch Forschung und Lehre.
  • VDA 5050. Der Standard beschreibt die Kommunikation zwischen fahrerlosen Transportfahrzeugen und einer Leitsteuerung auf Basis von MQTT und JSON. Sein Zweck ist Interoperabilität: Statt vieler proprietärer Protokolle spricht jedes Fahrzeug dieselbe Sprache, und der Betreiber ist nicht an einen Lieferanten gebunden. An Version 2.1.0 wird gearbeitet, unter anderem mit einer Erweiterung zur Kartenverteilung. Für Materialtransport auf dem Gelände ist das die relevante Anschlussfrage, wenn bei Ihnen bereits eine Leitsteuerung läuft.

Der Punkt dahinter ist einfach: Ein Betreiber, der uns eine Flotte anvertraut, soll sie später auch ohne uns weiterbetreiben können.

Grenzen

Was wir offen ansprechen

  • Der Quellcode ist noch nicht öffentlich. Firmware und KyROS sollen offengelegt werden, veröffentlicht wird über github.com/NEXOSGroup. Heute sind die Repositories privat; Einblick geben wir auf Anfrage. Wer die Offenlegung als Bedingung braucht, sollte sie sich zusichern lassen.
  • Autonomie ist kein Schalter. Eine angelernte Route auf einem bekannten Gelände ist etwas anderes als freie Navigation in unbekanntem Terrain. Welche Stufe Ihr Fall braucht, entscheidet über Sensorik, Rechenleistung und Aufwand — und damit über den Preis.
  • Ohne Funkstrecke keine Fernbedienung. Die Software löst keine Physik. Reichweite und Abriss sind eine Frage des Datenlinks, nicht des Codes.
  • Ein Software-Update kann CE-relevant sein. Ab 2027 kann eine digitale Veränderung eine wesentliche Veränderung im Sinne der Maschinenverordnung sein. Deshalb werden Stände bei uns bewertet und dokumentiert, nicht einfach nachgezogen — siehe Instandhaltung.
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