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Anwendung

Der Beweis ist erbracht — eine Größenklasse höher

Nirgends fährt so viel autonome Technik wie im Tagebau. Was dort seit Jahren läuft, ist auf der Baustelle und im kleinen Abbau bislang nicht angekommen.

Ausgangslage

Alle fünf Tage

Die BG BAU verzeichnete für 2023 rund 96.000 meldepflichtige Arbeitsunfälle auf Baustellen und in baunahen Dienstleistungen. 76 Beschäftigte starben — statistisch stirbt auf deutschen Baustellen alle fünf Tage ein Mensch.

Die Hauptursachen sind Abstürze aus Höhe sowie herabfallende und kippende Bauteile. Ein Drittel aller meldepflichtigen Unfälle sind Handverletzungen. Die Zahlen gehen seit Jahren langsam zurück, aber sie gehen nicht auf null.

Im Abbau sieht die Rechnung anders aus. Dort ist die Arbeit weniger unvorhersehbar als repetitiv: dieselbe Piste, dieselbe Ladestelle, dieselbe Kippstelle, im Schichtbetrieb, oft rund um die Uhr. Das ist der Grund, warum ausgerechnet diese Branche bei der Automatisierung vorangegangen ist.

Einordnung

Milliarden Tonnen ohne Fahrer

Autonomer Schwerlasttransport im Tagebau ist keine Erprobung mehr, sondern Serienbetrieb. Mit Cat MineStar Command wurden nach Herstellerangaben über fünf Milliarden Tonnen Material autonom bewegt, bei mehr als 500 Fahrzeugen im Einsatz. Komatsu FrontRunner kommt auf über 3,5 Milliarden Tonnen mit rund 150 Fahrzeugen an neun Standorten. Rio Tinto fährt seit 2008 autonom in der Pilbara und hat dort die Milliarde Tonnen überschritten.

Interessant ist weniger die Tonnage als die Begründung: Rio Tinto berichtet null Verletzungen, die den autonomen Muldenkippern zuzuschreiben wären; Caterpillar nennt für sein System neun Jahre ohne Unfall mit Ausfallzeit sowie rund 50 Prozent weniger sicherheitsrelevante Vorfälle, 20 Prozent geringere Betriebskosten und 30 Prozent höhere Produktivität. Ein autonomes Fahrzeug läuft dabei etwa 700 Stunden im Jahr länger als ein besetztes.

Wir bauen keine Muldenkipper. Diese Systeme arbeiten in einer Größenklasse, die mit unserer nichts zu tun hat. Aber sie beweisen etwas, das für uns zählt: Genau diese Umgebung — Staub, Piste ohne Markierung, wechselnde Topografie, Schichtbetrieb — ist automatisierbar. Was fehlt, ist alles unterhalb des Muldenkippers, und genau dort ist bisher niemand.

Aufgaben

Was unterhalb der Großtechnik liegen bleibt

Aufmaß und Volumen im Takt

Halden, Baugruben, Abbauwand und Sohle regelmäßig aufnehmen — für Bestandsmengen, Abrechnung und Baufortschritt. Der Nutzen entsteht durch die Wiederholung, nicht durch die einzelne Aufnahme.

Verwandt: Vermessung und Kartierung

Böschung und Kippe im Blick

Kanten, Halden und Abbauwände kontrollieren, ohne dass jemand darauf oder darunter steht. Veränderungen zwischen zwei Aufnahmen zeigen Bewegung, bevor sie jemandem auffällt.

Baustein: Payload LiDAR

Material über das Gelände

Werkzeug, Ersatzteile, Pumpen und Verbrauchsmaterial über Schotter, Lehm und Rampen dorthin bringen, wo gearbeitet wird — statt dafür ein großes Fahrzeug oder Fachpersonal zu binden.

Verwandt: Materialtransport auf dem Gelände

Kontrollrunde und Bewachung

Große, offene, schlecht einsehbare Gelände nach Feierabend abfahren. Baustellen und Abbaubetriebe sind ein klassisches Ziel für Diebstahl an Gerät und Kraftstoff.

Verwandt: Geländepatrouille und Überwachung
Grenzen

Was ein Bodenfahrzeug hier nicht löst

  • Es verhindert keinen Absturz. Die häufigste Ursache tödlicher Bauunfälle ist der Sturz aus Höhe — dagegen hilft Absturzsicherung, kein Fahrzeug. Wir behaupten hier ausdrücklich nicht, das größte Problem der Branche zu adressieren. Der Beitrag liegt bei den Fällen, in denen jemand nur deshalb in der Gefahrenzone steht, weil etwas transportiert, gemessen oder kontrolliert werden muss.
  • Es ist keine Baumaschine. Baggern, Verdichten, Planieren und Laden bleiben Sache der dafür gebauten Technik. Die Plattform trägt Sensorik und Material — sie bewegt keine Erde.
  • Die Baustelle verändert sich täglich. Anders als eine Anlage oder ein Werksgelände sieht eine Baustelle jede Woche anders aus. Eine einmal angelernte Route veraltet schnell; wiederkehrende Autonomie funktioniert dort am besten, wo Zufahrten und Lagerflächen länger stabil bleiben.
  • Mischbetrieb mit Großgerät braucht Regeln. Ein unbemanntes Fahrzeug zwischen Baggern, Muldenkippern und Personal verlangt eine Gefährdungsbeurteilung und eine abgestimmte Betriebsweise. Das ist machbar, aber es ist Vorarbeit.
  • Bei Kampfmittelverdacht entscheidet die Behörde. Bei Erdarbeiten ist der Fund von Kampfmitteln in Deutschland ein realer Fall. Was dann gilt, regelt der zuständige Kampfmittelbeseitigungsdienst — nicht die Frage, ob jemand im Fahrzeug sitzt.
Konfiguration

Eine typische Baustellenplattform

Auf Wanderbaustellen im Verkehrsraum siehe Absicherung mobiler Arbeitsstellen, bei Verschüttungslagen Erkundung und Bergung.

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